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Der Weltenbaum, ein Beziehungsnetzwerk

„Der Weltenbaum, ein Beziehungsnetzwerk“

Standort: EON-Weimar

 

Die Skulpturengruppe im neu errichteten Tagungszentrum der E.ON Thüringer Energie AG soll keine Übertragung des mythologischen „Weltenbaumes“ auf heutige Strukturen sein, sondern dient nur als Quelle einer eigenen Metaphorik Lockes. Eine eigene Interpretation dieser Metaphern ist somit zwingend notwendig.

Die Figurengruppe ist angelehnt an den Weltenbaum des germanischen Schöpfungs-mythos: Die in der Lieder-Edda enthaltene Völuspá (Weissagung der Seherin) beschreibt eine Zeit des Urchaos, dem die Schöpfung

der Riesen, der Götter und schließlich der Menschen folgte. Ginnungagap war das gähnende Nichts, Jotunheim die Heimat der Riesen, Niflheim das Reich der Kälte und Muspellsheim das Land des Feuers. Der große Weltenbaum Yggdrasil erstreckte sich über Zeit und Raum, aber die böse Schlange Nidhöggr nagte ständig an seinen Wurzeln. Unter einer der Wurzeln befand sich der Brunnen des Mimir, eine Quelle der verborgenen Weisheit.

Die unterschiedlichen Welten, Ebenen oder In-formationsknoten werden in den verschiedenen Köpfen auf unterschiedlichen hohen Stelen sym-bolisiert. Die Beziehungen untereinander, also die Kanten bilden sich durch die unterschiedlichen Blickbeziehungen aus. Diese dynamischen Beziehungen können unterschiedlichste kohärente Strukturen erzeugen.

Der Informationsfluss wird durch das Eichhörnchen auf der zentralen Travertinsäule symbolisiert.

Es ist ständig in Bewegung und verbindet die „Welten“, ist aber auch Motor für neue Beziehungen. Als Bewohner der Weltenesche bewegt es sich von den Einen zu den Anderen und stiftet Zwist, indem es das, was der Eine über den Anderen erzählt, dem jeweils Anderen wieder zuträgt.

Es ist also nicht nur der Informationsträger sondern auch das dynamische Element, welches die Beziehung der Welten untereinander ständig verändert und in Bewegung hält.

In oberster Position des „Weltenbaumes“ sitzt ein Adler und auf dessen Stirn sitzt ein Habicht. Der Habicht wird, wenn er mit den Flügeln schlägt, als Wettermacher gedeutet. Er ist somit verantwortlich für das Klima oder der Stimmungen in einem von Menschen geschaffenen Netzwerk. Dieses Bild, übertragen auf die Skulpturen, lässt interessante eigene Interpretationen zu. Jede einzelne Skulptur hat in seiner Position eine bestimmte Bedeutung. Sie ist Teil des Netzwerkes und somit strukturbildend. In Ihrer Position wird sie einmalig und ein gleichwertiges Element des Ganzen.

K.-D. Locke